Ein Tag im Sommerlager

Als Geschäftsleitern der Stiftung Sonnenschein verbringe ich oft Zeit mit administrativen Tätigkeiten. Heute jedoch steht für mich ein etwas anderer Termin in der Sonnenschein-Agenda: Der Besuch im Sommerlager der Stiftung Sonnenschein oder kurz: SOLA. Das Sola in Valbella ist keine gewöhnliche Lagerwoche. Es ist, so hat es eine Mutter einmal formuliert „eine Oase in der Dürre der Intensivtherapie“ und für viele Familien die einzige Möglichkeit, in dieser schwierigen Zeit überhaupt Ferien zu machen.

Bereits das eindrückliche Bergpanorama auf dem Weg nach Valbella wirkt entschleunigend. Im Lagerhaus angekommen, erfreue ich mich einmal mehr an dessen perfekten Lage: Ruhig gelegen, mit Blick auf den glitzernden Heidsee und einer grossen Spielwiese direkt hinter dem Haus. Das Innere des Lagerhauses erinnert mich ein bisschen an einen Bienenstock, fröhlich, laut und betriebsam.

Ein offenes Ohr für die Eltern

In diesem Umfeld nun all den Familien zu begegnen, die sonst ganz viel Zeit im Spital verbringen müssen mit ihren Kindern, bewegt mich sehr. Ich nutze die Gelegenheit, mich mit den Eltern auszutauschen und ihren Erlebnissen zu lauschen. Es ist kaum vorstellbar, welche Strapazen diese Familien aushalten müssen. Ihre Resilienz im Umgang damit beeindruckt mich und ihre Offenheit berührt mich tief. Viele Eltern erzählen mir, dass es sie grosse Überwindung gekostet hat, das „Abenteuer Sola“ zu wagen. Doch nun sind sie so dankbar, hierhergekommen zu sein. Gleich von mehreren Eltern höre ich, ihre Kinder sei in dieser Woche regelrecht aufgeblüht.

Berührende Begegnungen

Einen besonderen Stempel im Herzen hinterlassen bei mir die Begegnungen mit den Kindern. Zum Beispiel mit dem Mädchen, das den gleichen Tumor hat, den ich vor über 30 Jahren hatte, etwa im selben Alter, wie sie heute ist. Oder dieser Moment, in dem ein Kind, stark gezeichnet von der intensiven Krebstherapie, mir wortlos und stetig von seinen «Salzfischli» über den Tisch schiebt..  Auch der kleine Junge, der vertrauensvoll mit mir «Versteckis» spielt, obwohl wir uns gerade erst begegnet sind, steht für mich sinnbildlich für die Geborgenheit, die das Sonnenschein-Sola den Familien schenkt. 

Eine ereignisreiche Woche

Morgen ist schon wieder Abreisetag, das heisst, die Familien haben bereits sehr viel erlebt seit ihrer Ankunft am letzten Samstag. Unter dem Motto „Wald“ haben die Kinder, in altersgerechte Gruppen aufgeteilt, die Umgebung erkundet, immer begleitet von unseren freiwilligen Lagerleitern. Die Eltern konnten währenddessen Zeit für sich geniessen oder am Elternprogramm teilnehmen, sprich, sportliche, kreative oder kulturelle Momente erleben. Wie aussergewöhnlich diese Auszeiten sich anfühlen und wie lange es her ist, seit so etwas wie Zweisamkeit überhaupt denkbar war, höre ich ebenfalls immer wieder.

Pumpelpitz rockt 

Heute wartet als Lagerabschluss eine Überraschung auf die rund 50 Lagerteilnehmenden. Simon Fankhauser, alias «Pumpelpitz» spielt auf und verwandelt den schlichten Speissaal in eine veritable Konzerthalle. Die Kinder tauchen sofort ein in die Pumpelpitz-Fantasiewelt. Es ist wunderschön, sie ausgelassen tanzen, singen und lachen zu sehen. Nicht fehlen darf am Schluss der eigens für das Lager geschriebene Lagersong, bei dem der ganze Saal eifrig mitmacht. Die Verbundenheit unter den Familien ist in diesem Moment fast greifbar und lässt erahnen, wie prägend das Sola ist, für viele weit in die Zukunft hinein.

Danke für die Unterstützung!

Getragen wird dieser Moment und unzählige mehr von unserem grossartigen Helfer-Team. Fast 20 engagierte Menschen zwischen 21 und 68 Jahren kümmern sich ehrenamtlich um die betroffenen Familien, sie basteln, albern herum, trösten, haben ein offenes Ohr für alle Anliegen. Auch unser Clown Flori sowie eine medizinische Fachfrau begleiten das Lager umsichtig. Sie alle bilden das Fundament dieser besonderen Lagerwoche, das ist deutlich spürbar. Ein Herzensdank geht raus an unsere wunderbaren Freiwilligen sowie an die Frankfurter Bankgesellschaft (Schweiz) AG und den Verein Benefiz for Kids, welche das Sonnenschein-Sola jedes Jahr mit grosszügigen Spenden unterstützen.

Das Sola ist vorbei, aber die Bilder und Erinnerungen bleiben weiterhin in meinem Herzen. Ich bin überzeugt, dass es den teilnehmenden Familien genau so geht.

Rita Wolf, Geschäftsleiterin Stiftung Sonnenschein

Ende Juli 2026